Erste Ergebnisse für den zweiten Film in der Well-being Reihe: BUTENLAND

Bei der zweiten Filmveranstaltung der Reihe zum Thema Well-being wurde eine Umfrage zur Rezeption von Marc Pierschels Butenland durchgeführt. Hier werden die ersten Ergebnisse aus den Fragebögen präsentiert.

Menschen mit Kühen und Hunden vor einem Wasserfass auf einer Weide; Titel “BUTEN LAND” im Himmel. Visionen der Nachhaltigkeit
I. DER FILM

BUTENLAND

Marc Pierschel | 2020 | Deutschland | 82 min | deutsche Fassung

Ein Bauernhof, der zu einem Lebenshof wurde – Der ehemalige Milchbauer Jan Gerdes und die Tierschutzaktivistin Karin Mück haben mit ihrem Projekt Hof Butenland einen Ort geschaffen, an dem es keine Nutztiere mehr gibt: Ein friedliches Miteinander, das fast schon utopisch erscheint.

Butenland erzählt die Geschichte von zwei Menschen, die die Bedürfnisse der Tiere in den Mittelpunkt stellen, fernab von jeglichen wirtschaftlichen Interessen. Filmemacher Marc Pierschel hat die beiden auf Hof Butenland über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren mit der Kamera begleitet. Das intime Porträt hält Momente des Glücks und der Trauer fest, hinterfragt den gegenwärtigen Status von Nutztieren in unserer Gesellschaft und lässt jeden berührt zurück.

II. DIE DATENERHEBUNG

Butenland wurde am 02.12.2025 im Harmonie Kino Freiburg gezeigt. Die rund 100 Zuschauer:innen hatten die Wahl zwischen einem Online- und einem Papier-Fragebogen. Dabei wurden neben Einstellungen zum Tierwohl auch emotionale Reaktionen auf den Film abgefragt.

Der Fragebogen umfasste drei Teile: Der erste Teil wurde kurz vor der Filmvorführung ausgefüllt, der zweite Teil direkt nach dem Film. Der dritte Teil folgte nach der anschließenden Podiumsdiskussion mit Sarah Heiligtag und Georg Klingler, die mit dem Hof Narr in Hinteregg (Schweiz) selbst einen Lebenshof betreiben.

III. DIE ERSTEN FORSCHUNGSERGEBNISSE

Hier folgt ein Einblick in die erste, deskriptive Auswertung des Fragebogens: Das sogenannte „n“ steht für die Anzahl der Personen, die die Frage beantwortet haben. Ein „n=67“ bedeutet also, dass 67 Zuschauer:innen eine Antwort abgaben. Alle aufgeführten Ergebnisse sind noch unter Vorbehalt einer tiefergehenden Datenverarbeitung und -auswertung zu betrachten.

Die Erhebung zeigte, dass unseren Zuschauer:innen das Thema Tierwohl wichtig (36,5%) bzw. sogar mit 63,5% aller abgegebenen Antworten sehr wichtig ist, wie Abbildung 1 veranschaulicht.

Abb. 1 „Wie wichtig ist Dir das Thema Tierwohl?“

Ähnlich hohe Zustimmung bei den Zuschauer:innen erhielt die Frage danach, ob man sich gerne (noch) mehr für das Wohlergehen von Tieren einsetzen würde. Die Frage wurde von 90,2% der Zuschauer:innen mit Ja beantwortet.

Abb. 2 „Würdest Du Dich gerne (noch) mehr für das Wohlergehen von Tieren einsetzen?“

Beim Einsatz für mehr Tierwohl gibt es jedoch auch Hindernisse. Wie Abbildung 3 zeigt, sind es vor allem Zeitmangel (45,2%)Bequemlichkeit (36,1%) und eingeschliffene Gewohnheiten (32,3%) die als Erschwernis wahrgenommen werden. Interessant ist, dass Kosten für 22,6% der Zuschauer:innen eine eher untergeordnete Rolle bei dem Thema spielen.

Abb. 3 „Wo siehst Du Hindernisse, um Dich (noch) mehr für das Wohlergehen von Tieren einzusetzen?“

Besonders wichtig war für uns zu messen, inwieweit sich durch den Film die Einstellung gegenüber sogenannten Nutztieren in der Landwirtschaft verändert. Wie Abbildung 4 veranschaulicht, stimmten vor dem Film 20% der Zuschauenden der Aussage zu, dass Tiere nicht als landwirtschaftliche Nutztiere gehalten werden sollten. Nach dem Film erhöhte sich dieser Wert mit 43,3% auf mehr als das Doppelte. Das zeigt, dass die Filmvorführung eine eindeutige Einstellungsänderung bewirken konnte.

Abb. 4: Zustimmung zur Aussage: „Tiere sollten nicht als landwirtschaftliche Nutztiere gehalten werden.“

Auch in dieser Erhebung haben wir wieder emotionale Reaktionen auf den Film abgefragt. Wie Abbildung 5 darstellt, hat der Dokumentarfilm bei den Befragten vor allem Mitgefühl (86,4%) sowie Trauer (71,2%) hervorgerufen, aber auch Verbundenheit (69,7%) und Hoffnung (60,6%).

Abb. 5: „Welche Emotionen hat der Film bei Dir ausgelöst?“

Ob Butenland unsere Zuschauer:innen dazu angeregt hat, sich (noch) mehr für das Wohlergehen von Tieren einzusetzen, wurde mit einer eindeutigen Mehrheit von 89,2% bejaht, wie auf Abbildung 6 zu erkennen ist. Ein Blick in die optionalen Begründungen der Antworten zeigt, dass dabei einige der Befragten ihre Konsumentscheidungen beim Kauf von Lebensmitteln überdenken.

Abb. 6: „Hat der Film Dich angeregt, Dich (noch) mehr für das Wohlergehen von Tieren einzusetzen?“

Besonders wichtig für unsere Forschung sind auch die Antworten unserer Zuschauer:innen zur Frage, ob die an den Film anschließende Diskussion einen Mehrwert hatte. Mit einer Zustimmung von nahezu 100% gaben die Befragten an, dass dies eindeutig der Fall war (siehe Abbildung 7). Dieser sehr hohe Wert stützt unsere Annahme, dass es sinnvoll sein kann, Dokumentarfilme zu Nachhaltigkeitsthemen in Kombination mit einer anschließenden Diskussion mit Expert:innen anzubieten. Ein näherer Blick in die optionalen Antworten zur Frage zeigt, dass vor allem die Veranschaulichung praxisnaher Beispiele durch die eingeladenen Gäste, Sarah Heiligtag und Georg Klingler vom Hof Narr in Hinteregg, positiv aufgenommen wurde.

Abb. 7: „Hatte die anschließende Diskussion einen Mehrwert für Dich?“

 

IV. FAZIT

Zusammenfassend hat die Auswertung gezeigt, dass der Film Butenland vor allem Mitgefühl, Trauer sowie Verbundenheit bei vielen unserer Zuschauer:innen auslöste. Der Film bewirkte darüber hinaus ein deutliche Einstellungsänderung beim Thema Tierwohl, sodass nach dem Film die Mehrheit der Zuschauer:innen der Aussage zustimmte, dass Tiere nicht als sogenannte Nutztiere gehalten werden sollten. Darüber hinaus regte Butenland eine große Mehrheit der Zuschauenden an, sich (noch) mehr für das Wohlergehen von Tieren einzusetzen. Die anschließende Diskussion mit Expert:innen aus der Praxis hatte dabei einen sehr deutlichen Mehrwert für das Publikum.

Wir danken allen, die an unserer Umfrage teilgenommen haben!

Im nächsten Schritt erfolgt eine vertiefende Auswertung der erhobenen Daten sowie die Erweiterung um eine Zusammenhangsanalyse. Stay tuned!