Erste Forschungsergebnisse zu Jennifer Abbotts THE MAGNITUDE OF ALL THINGS

Bei der zweiten Filmveranstaltung im Rahmen der Klimaschutzreihe von VISIONEN DER NACHHALTIGKEIT wurde eine Umfrage zur Rezeption von Jennifer Abbotts Dokumentation The Magnitude Of All Things durchgeführt. Hier werden die ersten Ergebnisse aus den Fragebögen präsentiert.

Filmplakat von The Magnitude Visionen der Nachhaltigkeit
I. DER FILM

THE MAGNITUDE OF ALL THINGS

Jennifer Abbott | 2020 | Kanada | 86 min | OmU (eng)

The Magnitude Of All Things untersucht das Konzept des climate grief – der Trauer über den Verlust der Tiere, Landschaften und Ökosysteme, die durch den Klimawandel zerstört werden – indem er Abbotts emotionale Reaktion auf den Krebstod ihrer Schwester mit ihren emotionalen Reaktionen auf den Klimawandel verbindet. Geschichten von der Front des Klimawandels verschmelzen mit Erinnerungen an die Kindheit der Filmemacherin in Ontario. Was haben diese Geschichten gemeinsam? Die Antwort lautet überraschenderweise: alles.

II. DIE DATENERHEBUNG

The Magnitude of All Things wurde am 19.11.2024 im Harmonie Kino Freiburg gezeigt. Die rund 100 Zuschauer:innen hatten die Wahl zwischen einem Online- und einem Papier-Fragebogen. Dabei wurden neben Einstellungen zum Klimaschutz auch emotionale Reaktionen auf den Film abgefragt.

Der Fragebogen umfasste drei Teile: Der erste Teil wurde kurz vor der Filmvorführung ausgefüllt, der zweite Teil wurde direkt nach dem Film beantwortet. Der dritte Teil folgte nach einer anschließenden Podiumsdiskussion mit der Psychologin und Psychotherapeutin Verena Heidenreich.

Publikum sitzt in einem Kino, zahlreiche Menschen schauen auf Fragebogen oder Geräte. Visionen der Nachhaltigkeit
III. DIE ERSTEN FORSCHUNGSERGEBNISSE

Hier ein Einblick in die erste, deskriptive Auswertung des Fragebogens: Das sogenannte „n“ steht für die Anzahl der Personen, die die Frage beantwortet haben. Ein „n=70“ bedeutet also, dass 70 Zuschauer:innen eine Antwort abgegeben haben.

Besonders interessant war bei diesem Film das Thema Klimatrauer sowie andere Emotionen, die The Magnitude of All Things bei den Zuschauer:innen ausgelöst hatte. Wie Abbildung 1 zeigt, gab die überwiegende Mehrheit (84,3 %) der Befragten an, dass der Dokumentarfilm bei ihnen „Mitgefühl“ hervorrief. Die zweithäufigste genannte Empfindung war „Trauer“ (75,7 %) – ein zentrales Thema des Dokumentarfilms sowohl im Bereich menschlicher Beziehungen als auch in Bezug auf den Klimawandel – gefolgt von einem Gefühl der „Verbundenheit“ (74,3 %). Knapp die Hälfte der Teilnehmenden gab an, „Ohnmacht“ (47,1 %) zu verspüren, und 41,4 % ein Gefühl von „Wut“.

Abb. 1: Welche Emotionen hat der Film bei Dir ausgelöst?

Um die Emotion der Trauer ging es diesmal auch bei den Einstellungen, die vor und direkt nach dem Film abgefragt wurden. Wie auf Abbildung 2 zu erkennen ist, erhöhte sich nach der Filmvorführung die Zustimmung zur Aussage „Trauer ist eine angemessene Reaktion auf die Auswirkungen der Klimakrise“ leicht.

Abb. 2: Zustimmung zur Aussage: Trauer ist eine angemessene Reaktion auf die Auswirkungen der Klimakrise." 

Sehr interessant ist auch die Zustimmung zur Aussage: „Trauer als Reaktion auf die Klimakrise lähmt die Handlungsfähigkeit“ (Abbildung 3). Während vor dem Film insgesamt 43,1% Prozent der Zuschauer:innen dieser Aussage „nicht“ oder „eher nicht“ zustimmten, erhöhte sich dieser kombinierte Wert beträchtlich nach der Filmvorführung auf insgesamt über 70%. Daraus lässt sich schließen, dass viele der Zuschauer:innen nach dem Film Trauer als Reaktion auf die Klimakrise als weniger handlungslähmend betrachteten.

Abb. 3: Zustimmung zur Aussage: „Trauer als Reaktion auf die Klimakrise lähmt die Handlungsfähigkeit.“

Ebenfalls aufschlussreich ist die Zustimmung zur Aussage „Trauerbewältigung ist ein erster Schritt für sinnorientiertes Handeln für Klimaschutz“, da der Zusammenhang zwischen Trauerbewältigung und sinnorientiertem Handeln im Film explizit angesprochen wird. Wie Abbildung 4 zeigt, konnte bei den Zuschauer:innen eine Verschiebung hin zu einer Zustimmung zu dieser Aussage beobachtet werden. Während vor der Filmvorführung 27,6% zustimmten, waren es nach dem Film 44,8% der Zuschauer:innen.

Abb. 4. Zustimmung zur Aussage „Trauerbewältigung ist ein erster Schritt für sinnorientiertes Handeln für mehr Klimaschutz.“A

 

Ob The Magnitude of All Things zudem auch dazu angeregt hat, (noch) mehr für den Klimaschutz zu tun, wurde in der Mehrheit der Zuschauer:innen bejaht (78,5 %) und zeigt damit ein eindeutiges Ergebnis, wie auf Abbildung 5 zu erkennen ist.

Abb. 5: Hat der Film Dich angeregt, (noch) mehr für den Klimaschutz zu tun?

Besonders wichtig im Zusammenhang mit den Forschungsfragen waren auch die Antworten der Zuschauer:innen zur Frage, ob die anschließende Diskussion mit der Psychologin und Psychotherapeutin Verena Heidenreich einen Mehrwert für sie hatte. Abbildung 6 zeigt, dass 86,9% angaben, dass dies der Fall war. Dieses Ergebnis stützt die Annahme, dass es sinnvoll sein kann, Dokumentarfilme zu Nachhaltigkeitsthemen nicht als isolierte Veranstaltung anzubieten, sondern in Kombination mit einer anschließenden Diskussion mit Expert:innen.

Abb. 6: Hatte die anschließende Diskussion einen Mehrwert für Dich?

 

IV. FAZIT

Zusammenfassend hat die erste Auswertung gezeigt, dass die Zuschauer:innen emotional tief bewegt waren von Jennifer Abbotts The Magnitude of All Things und dass der Film dabei in erster Linie Mitgefühl, Trauer und ein Gefühl von Verbundenheit auslöste. Er hatte darüber hinaus Einfluss auf Einstellungen zur Beziehung zwischen Trauer, Trauerbewältigung und der Handlungsfähigkeit für Klimaschutz. Insgesamt wurde Trauer nach dem Film als eine angemessenere und weniger lähmende emotionale Reaktion auf den Klimawandel betrachtet, der Bewältigung von Trauer wurde dabei eine noch größere Rolle als erster Schritt für sinnorientiertes Handeln für mehr Klimaschutz zugeschrieben.

Wir danken allen, die an der Umfrage teilgenommen haben!

Im nächsten Schritt erfolgt eine vertiefende Auswertung der erhobenen Daten sowie die Erweiterung um eine Zusammenhangsanalyse. Stay tuned!